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Kreis Ostholstein

Pressemitteilung

Kreistagsrede: Petra Kirner zum Thema "Ostholstein erlebbar für alle"

Herr Kreispräsident, sehr geehrte Damen und Herren,

Was ist eigentlich Inklusion? Was genau steckt dahinter? Was bedeutet Inklusion für jeden von uns persönlich? Was bedeutet Inklusion für den Kreis Ostholstein?

Die UN-Behindertertenrechtskonvention hat 2008 „Inklusion“ als Menschenrecht für Menschen mit Behinderungen erklärt.

Inklusion bedeutet, dass alle Menschen selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.

       Das heißt: Menschen mit Behinderungen müssen sich nicht mehr integrieren und an die Umwelt anpassen, sondern diese ist von vornherein so ausgestattet, dass alle Menschen gleichberechtigt leben können – egal wie unterschiedlich sie sind. Das Ideal der Inklusion ist, dass die Unterscheidung „behindert/nicht behindert“ keine Relevanz mehr hat.

       Der Begriff Inklusion bewegt die Menschen schon seit 1970, also seit 46 Jahren und hat sich in der Vergangenheit ausschließlich auf den Bildungsbereich beschränkt und selbst hier nur sehr begrenzt.

 

„Inklusion ist nur ein neues Wort für Integration.“

Oft wird tatsächlich einfach nur das Wort Integration durch Inklusion ausgetauscht. Das ist aber nicht richtig.

Inklusion ist mehr als die einfache Integration von „Abweichenden“ in eine sonst gleichbleibende Umgebung. Es soll umgekehrt sein: die Anpassung der Umwelt an die jeweiligen Voraussetzungen der Menschen.

 

„Nicht alle Menschen sind inkludierbar“

Diese Vorstellung geht von falschen Voraussetzungen aus. Es sollen nicht Menschen in etwas hinein inkludiert werden, das wäre ja die alte Vorstellung von Integration. Dass Menschen mit schweren Behinderungen einfach in eine normale Welt gepackt werden und dann sehen müssen, wie sie damit zurechtkommen, ist nicht gemeint. Es muss auf die Bedürfnisse der Einzelnen geschaut werden. Auch für schwerbehinderte Menschen kann so Teilhabe möglich werden. Ausreichende Assistenz und Unterstützung, z.B. am Arbeitsplatz oder als Schulbegleitung sind Voraussetzungen.

„Inklusion ist ja eine nette Vorstellung, aber nicht machbar.“

Das dachten wir doch bislang bei vielen gesellschaftlichen Neuerungen. Wirkliche Inklusion ist noch ein weit entferntes Ideal, doch wie viele der einstigen Ideale sind mittlerweile schon Realität geworden. Was wir uns gestern noch nicht im Ansatz vorstellen konnten, ist heute gängige Praxis. Wir müssen es nur gesellschaftlich wollen und daran arbeiten.

 

„Inklusion ist nicht finanzierbar“

Auch hier müssen wir uns wieder die Frage nach unserer gesellschaftlichen Verantwortung, unseren gesellschaftlichen Wünschen, Zielen und unserer Bereitschaft fragen. Wollen wir etwas verändern? Wollen wir den Kreis Ostholstein erlebbar für alle machen?

Wenn wir das wirklich wollen, dann finden wir Wege für die Finanzierung.

Lassen sie uns heute an die Generation von morgen denken. Eine inklusive Infrastruktur, die wir heute auf den Weg bringen ist auf lange Sicht kostensparend. Wenn wir heute barrierefrei bauen, dann sparen wir in der Zukunft kostenintensive Umbauten. Wenn genügend Lehrkräfte an den Schulen eingestellt werden, sparen wir die kosten für die Sonderbeschulung.

 

    In einer inklusiven Gesellschaft ist es normal, verschieden zu sein. Jeder ist willkommen und davon profitieren wir alle, z.B. durch den Abbau von Hürden in unserer Umwelt…denken sie an die vielen Fahrradfahrer, an die Eltern mit Kinderwagen usw.

Bei den vorangegangenen Anmerkungen wird sehr deutlich, dass Inklusion zuerst in den Köpfen aller Menschen stattfinden muss.

Es gibt keinen Hebel der umgestellt werden kann. Das ist ein Entwicklungsprozess, dem wir uns als Kreis Ostholstein gestellt haben.

 

Wir möchten, dass alle Menschen, mit oder ohne Behinderung – überall dabei sein können, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Wohnbereich, in der Freizeit….das ist gelungene Inklusion.

Wir möchten den Kreis Ostholstein erlebbar machen für alle.

Haben wir genau dieses Ziel in den vergangenen 2 Jahren erreicht?

Haben wir Barrieren in den Köpfen abgebaut?

Sind wir offener und toleranter geworden? Pflegen wir ein besseres Miteinander?

Inklusion gelingt nur, wenn möglichst viele mitmachen und in ihrem Umfeld dazu beitragen.

 

Der Kreis Ostholstein hat sich diese Aufgaben zu eigen gemacht und nimmt somit eine Vorreiterrolle im Norden ein.

„Ostholstein erlebbar machen für Alle.“


Am 19. März 2013 war der Startschuss hier in diesem Haus.

Der Kreistag hat beschlossen, gemeinsam mit dem Beirat für Menschen mit Behinderung und Betroffenen für den Kreis Ostholstein einen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention bis Sommer 2016 zu entwickeln. Eine vorbereitende Arbeitsgruppe wurde durch den Landrat eingeladen, um gemeinsam mit Vertretern des Beirats für Menschen mit Behinderungen, fachbezogenen Akteuren sowie Vertretern von Kreispolitik und -verwaltung die Eckpunkte zur Umsetzung der Gremienbeschlüsse auf den Weg zu bringen.

Das Ziel haben wir nach getaner Arbeit erreicht.

Heute liegt uns der Aktionsplan vor.

Gestatten Sie mir an dieser Stelle ein ganz großes Dankeschön an die gesamte Kreisverwaltung mit Landrat Reinhard Sager an der Spitze. Die Erstellung dieses Aktionsplanes war für Sie, wie auch für die Selbstverwaltung eine große Herausforderung.

Mein besonderer Dank gehört Herrn Dr. Stefan Doose, Leiter der Koordinatiosstelle „Aktionsplan Inklusion“ Sie, lieber Herr Dr. Doose haben ihr gesamtes Herzblut in diese Aufgabe eingebracht. Sie haben es geschafft, die Barrieren in den Köpfen immer weiter abzubauen und uns alle auf dem teilweise beschwerlichen Weg mitzunehmen. Ihrem Fachwissen, und ihrer Beständigkeit verdanken wir als Kreis einen entscheidenden Schritt in ein „Ostholstein erlebbar für alle.“

 

Bei der Auftaktveranstaltung hat unser Landrat gesagt:

„Die Barrieren im Kopf sind die Steine im Weg“

Ich sage, diese Steine haben an Größe und Gewicht verloren. Sie sind beweglich und tragbar, wir können sie beiseitelegen.

Die Inklussionskommission, die mit 30 Personen aus Politik, Wirtschaft, Verbänden und dem Beirat für Menschen mit Behinderungen zusammengefügt ist, hat den Prozess begleitet und sich mit weitreichenden Handlungsfeldern auseinandergesetzt. Auch hier allen Beteiligten ein großes Dankeschön.

Die Auftaktveranstaltung mit 140 Personen, der Aktionstag inklusionsorientierte Verwaltung, Schulische Inklusion, barrierefreie Infrastruktur, barrierefrei Wohnen im Ort mit inklusionsorientierten Unterstützungsdiensten, Inklusion im Bereich Arbeit, im Bereich Freizeit-, Kultur- und Sportbereich sowie Tourismus, inklusive Gestaltung von Bildungseinrichtungen, das alles sind Themen der zahlreichen Workshops, Ortsbegehungen und persönlichen Gespräche, die zum Bewegen der Steine geführt haben.

Der Kreis Ostholstein prüft selbstverständlich bei allen Neu- und Umbauten des Kreises die Barrierefreiheit, aber lassen sie mich auch deutlich sagen…unsere Altbauten sind eine große Herausforderung, trotzdem ist unser Ziel eine umfassende Barrierefreiheit im Kreis Ostholstein.

Bodenindikatoren. Gekennzeichnete Handläufe, zentrale Anordnung eines Fahrstuhls im Gesundheitsamt, Behinderten WCs und kontrastreiche Markierungen der Treppenstufen stehen auf der laufenden Agenda.

Kurzfristig werden Schulungen zur inklusionsorientierten Verwaltung für die MA angeboten und Fortbildung in „leichter Sprache“, d.h. leichte Sprache im Internet, in Broschüren und Flyern und vieles weitere.

In Kooperation mit vielen Kommunen in unserem Kreis treten wir als Ratgeber bei Mobilitätsmaßnahmen, aber auch auf Sensibilisierungsveranstaltungen auf. Viele Kommunen haben bislang davon Gebrauch gemacht und verschiedene Aktivitäten entwickelt.

So hat die Stadt Eutin ein integriertes Stadtentwicklungskonzept erarbeitet, zu welchem das Handlungsfeld Barrierefreiheit und Inklusion gehört.

Die Gem. Stodo hat taktile und farbliche Elemente im Straßenbau eingebaut.

Barrierefreies Internet und die Gestaltung von Videos in Gebärdensprache gehört für viele Gemeinden ebenso dazu.

 

Von dem Ziel alle Menschen können im Kreis OH soweit wie möglich ihre Lebensführung unabhängig und frei verwirklichen, sind wir noch ein großes Stück entfernt.

Barrierefreier und damit auch altersgerechter, bezahlbarer Wohnraum muss dringend geschaffen werden.

Dazu gehört auch ein darauf abgestimmtes Wohnumfeld. Versorgungs- und Freizeitangebote, öffentlicher Nahverkehr, Arzt und Apotheke müssen Wohnortnah erreichbar sein, nur so kann die Eigenständigkeit erhalten bleiben, dazu haben wir ein Bündel an Maßnahmen im Aktionsplan aufgenommen, die wir jetzt kurz-, mittel- und langfristig umsetzen müssen.

 

 Für zukünftige Generationen soll der Begriff Inklusion keine erklärbare Vokabel mehr sein, sondern gelebte Realität. Daher muss das gemeinsame Leben in der Kindertagesstätte beginnen und sich lebenslang fortsetzen.

Die gemeinsame Erziehung und Bildung von Kindern mit und ohne Behinderung beginnt im Kreis OH im Krippenalter, das beinhaltet die Förderung der Entwicklung und die gem. Erziehung in allen Altersgruppen.

Dazu wird der Kreis u.a. das Beratungsangebot intensivieren und die Prüfung der Erhöhung des Fachkräfteschlüssels vornehmen.

Ganz wichtig ist uns eine berufsbegleitende Weiterbildung zum staatlich anerkannten Heilpädagogen als Fachkraft für Inklusion durch die beruflichen Schulen des Kreises OH seit dem Beginn dieses Schuljahres.

U.a. sollen die beruflichen Schulen mittelfristig einen barrierefreien Ausbau erhalten. An dieser Stelle sei deutlich gesagt, dass diese Ziele im Aktionsplan noch vorbehaltlich der notwendigen Beschlüsse der Selbstverwaltung beschrieben sind. Damit werden wir uns noch ausführlich befassen.

Alle Menschen im Kreis gestalten einen inklusiven Arbeitsmarkt, ein Ziel mit schon jetzt laufenden Projekten, die vom Kreis OH unterstützt werden und bei der Gründung weiterer Inklusionsunternehmen wird der Kreis seine Unterstützung anbieten.

Neben KITA und Schule, Beruf und Wohnen mit inklusiven Umfeld gehört die Freizeitgestaltung, die die Menschen inkludiert und nicht ausgrenzt.

Kulturelle Veranstaltungen, Freizeit- und Sportangebote gehören ebenso dazu wie die touristischen Einrichtungen unseres Kreises. Wie es gehen kann hat uns gerade die Landesgartenschau gezeigt.

Gerade Kinder werden sehr schnell ausgegrenzt, daher ist es wichtig, dass im Bereich der Kinderspielplätze, Ferienpassaktionen, Jugendgruppenleiterlehrgänge kurzfristig eine Bestandsaufnahme stattfindet und überprüft wird was ebenso kurzfristig umgesetzt werden kann.

Ich habe hier nur einen kleinen Auszug aus dem Aktionsplan „Ostholstein erlebbar für alle“ wiedergegeben.

 

Wichtig ist, dass wir diesen Aktionsplan als Grundlage für unser Handeln, für unsere Entscheidungen in den nächsten Jahren sehen und ihn mit Leben erfüllen.

Es ist der Start in eine inklusive Gesellschaft im Kreis Ostholstein.

Wir benötigen in der Kreisverwaltung eine zentrale Stelle, die diesen Plan begleitet und immer wieder die Gremien und die Öffentlichkeit mit einbezieht.

Der Kreis Ostholstein kann nicht alle Aufgaben alleine bewältigen, wir brauchen Akteure, wie auch schon in der Vergangenheit, die uns begleiten, die uns unterstützen.

Lassen Sie uns heute durch ein klares Bekenntnis abgeben.

JA zu diesem Aktionsplan Inklusion

JA zu einem Ostholstein erlebbar für alle

 

Sagen sie JA, legen sie den Aktionsplan immer wieder ganz oben auf den Schreibtisch und lassen sie nicht zu, dass die Sensibilisierung, die wir in den letzten zwei Jahren erfahren haben, verloren geht.

Vergessen sie nie die Steine, die wir schon aus dem Weg geräumt haben.

 

Vielen Dank.

 

 

 

 

 

Petra Kirner | 05.10.2016, 17:14


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